Springe zum Inhalt

unter dem eher unpassenden Titel: "Kopftuchverbot aufgehoben: Streit geht weiter", hat WDR 5 einen Beitrag gesendet, an dem auch das AmF (O-Ton-Lieferantin: Gabriele Boos-Niazy) beteiligt war. Unpassend ist der Titel deshalb, weil der Beitrag deutlich zeigt, dass es keinen Streit an den Schulen gibt, sondern allenfalls die üblichen Kopftuchgegner wie Buschkowsky und Kelek auf Streit hoffen und die Vorsitzende der Schulleitungsvereinigung NRW, Margret Rössler, die keinerlei Erfahrung mit Kopftuch tragenden Lehrerinnen hat, Probleme befürchtet.
Wie überzogen diese Debatte ist, wurde durch unseren Beitrag mehr als deutlich.
Anhören hier

Die Friedrich-Ebert-Stiftung engagiert sich seit geraumer Zeit mit der Durchführung von vielfältigen Dialog- und Werkstattgesprächen sowie Tagungen zu aktuellen Debatten. Besonders hinweisen möchten wir auf zwei Publikationen, an denen AmF-Mitglieder beteiligt waren:

Zum einen ist zu nennen die Dokumentation einer Ende November durchgeführten Tagung mit dem Titel: "Religion, Demokratie, Vielfalt", bei der Tuba Işık maßgeblich mitwirkte und zum anderen die Dokumentation der Arbeitsergebnisse eines Expertengremiums zum Thema des islamischen Extremismus und der Islamfeindlichkeit.

 

Religion, Demokratie, Vielfalt / Kerstin Griese, Tuba Işık, Dietmar Molthagen, Wolfgang Thierse.http://library.fes.de/pdf-files/dialog/12074-20151208.pdf

Handlungsempfehlungen zur Auseinandersetzung mit islamistischem Extremismus und Islamfeindlichkeit : Arbeitsergebnisse eines Expertengremiums der Friedrich-Ebert-Stiftung / Herausgegeben von Dr. Dietmar Molthagen für die Friedrich-Ebert-Stiftung, Forum Berlin. -

http://library.fes.de/pdf-files/dialog/12034-20151201.pdf

 

 

Diskriminierungsbekämpfung als Extremismusprävention

Der Flüchtling von heute ist der Nachbar von morgen

 

Rund 70 Tagungsteilnehmer*innen aus dem gesamten Bundesgebiet diskutierten in Köln mit Wissenschaftler*innen und Praktiker*innen zwei Tage lang über die beiden Themen, die derzeit die Schlagzeilen bestimmen: die Radikalisierungstendenzen bestimmter Gruppen junger Muslime sowie die Herausforderungen angesichts der vielen Menschen, die Schutz in Deutschland suchen. Besonders im Fokus stand dabei die Situation minderjähriger (unbegleiteter) Flüchtlinge.

Frau Prof. Dr. Boos-Nünning und Frau Dr. Riem Spielhaus machten in ihren Eröffnungsvorträgen deutlich, dass die Extremismusprävention eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist, denn sie hat ebensolche Wurzeln. Dies deckt sich mit den Erkenntnissen des Verfassungsschutzes, nach dem radikalisierte Jugendliche nur selten aus den Reihen der Jugendverbände der organisierten islamischen Verbände stammen. Nach wie vor sind mangelnde Chancengleichheit im Bildungsbereich, kaum vorhandene religiöse Bildung, Ausgrenzungserfahrungen und „Scheich Google“ der Nährboden für radikale Ansichten, denen manchmal entsprechende Taten folgen.

An diesen Punkten setzten verschiedene Workshops der Tagung an. Neben den rechtlichen Basics bzgl. des Themas Diskriminierung wurden insbesondere die Schulen und Moscheegemeinden in den Blick genommen. Sie sollen deutlicher als bisher Orte sein, an denen Jugendliche für die rechtliche Gleichwertigkeit vielfältiger Lebensentwürfe sensibilisiert werden.

Der Bericht der Praktikerinnen im Bereich der Flüchtlingsarbeit zeigte vor allem zwei Problembereiche: Die schon erfolgte und noch zu erwartende Verschärfung des Asylrechts führt dazu, dass mitten in Deutschland Menschen leben, deren elementares Bedürfnis nach einem sicheren Platz, von dem sie nicht unerwartet wieder vertrieben werden, nicht erfüllt wird oder die jahrelang von ihren Familien getrennt sein werden. Das wird vor allem die jetzt noch sehr stark vorhandene Motivation zum Erlernen der Sprache und zur Integration dämpfen.

Die Teilnehmer*innen der Tagung schließen sich einmütig den Forderungen des Deutschen Frauenrates und anderer Organisationen an, Kinder und allein reisende Frauen getrennt von männlichen Flüchtlingen unterzubringen. Massenunterkünfte in Hallen, in denen keine Privatsphäre vorhanden ist, paralysieren und entmutigen die oftmals traumatisierten Flüchtlinge und sind dieser Gesellschaft nicht würdig.

 

Die Analyse des vielfältigen privaten Engagements der Teilnehmer*innen und die Informationen über bisher noch wenig bekannte Möglichkeiten der Hilfe (z.B. im Bereich der Vormundschaft) ließen einen positiven Ausblick zu: Jeder kann etwas tun und zusammen schaffen wir das!

 

Köln, den 06.12.2015

Aktionsbündnis muslimischer Frauen e. V.
BMFSFJ_DL_mitFoerderzusatz_RZ
hier als PDF: Pressemitteilung AmF Tagung 5._6.12

 

 

Die Terroranschläge von Paris haben uns erschüttert und bewogen, den Aufruf „Gesellschaftlicher Zusammenhalt – jetzt erst recht" zu unterzeichnen.

Darin wird den Familien und Freunden der Opfer der Anschläge unser aller Beileid ausgesprochen und unsere Anteilnahme versichert. Zugleich wird daran erinnert, dass Terror nicht nur einzelne trifft, sondern auf die Zerstörung der Gesellschaft als Ganzes zielt: "Terroranschläge richten sich gegen den gesamtgesellschaftlichen Frieden und unterschiedslos gegen alle Staatsbürger. Ob sich darunter Angehörige einer bestimmten Volks-, Religions-, Weltanschauungszugehörigkeit befinden ist Terroristen gleichgültig. Das zeigen auch die Anschläge in Syrien, in Madrid, im Irak, in London, in Marokko, in der Türkei und in Beirut. [...]. Die beste Antwort, mit der man den Absichten der Terroristen entgegentreten kann, ist es, Hass, Zwietracht und Angst nicht in unsere Herzen eindringen zu lassen."

Angesichts der Kriegsrhetorik, die in den letzten Tagen die Oberhand zu gewinnen scheint, möchten wir ergänzend zum vorgenannten Aufruf deutlich sagen: Das Streben nach Frieden und Freiheit ist kein Zeichen von Schwäche. Es ist ein Zeichen von Stärke, denn es ist das Beibehalten der Werte, die uns durch Terroranschläge genommen werden sollen. Leider wird das in Zeiten, in denen Drohungen schwerer zu wiegen scheinen als Anteilnahme, viel zu schnell vergessen.

Die Rhetorik der Vergeltung, die insbesondere die politischen und medialen Diskurse in Frankreich prägt, hat praktische Auswirkungen auch für die Muslime in Deutschland, vor allem diejenigen, die als Muslime erkennbar sind. Wir wissen, dass zurzeit vor allem junge Frauen Opfer von Pöbeleien, Beleidigungen oder tätlichen Angriffen werden. Die Täter – in der Regel Männer – sind oft von Rachsucht und Hass verblendet und unfähig zu erkennen, welche Ironie darin liegt, den Mord an Unschuldigen mit Attacken gegen andere Unschuldige sühnen zu wollen. Schülerinnen und Schüler muslimischen Glaubens berichten von Anfeindungen durch Mitschüler, wobei deutlich wird, dass hier innerfamiliäre Auffassungen über Muslime zum Ausdruck kommen.

Umso wichtiger ist es daher, unsere eigene Mahnung, den gesellschaftlichen Zusammenhalt nicht zu gefährden, ernstnehmen und uns nicht ebenfalls in die Spirale des Hasses hineinziehen zu lassen. Die Anschläge in Paris haben uns gezeigt, dass jeder ein Opfer von Gewalt werden kann. Darin sind wir alle gleich.

Aber ob wir Mittäter oder Unschuldige, Hassende oder Friedenprediger sind, darüber entscheiden wir selbst. Unsere Religion ist eine Religion des Friedens und der Gerechtigkeit und nichts, das uns vorgeworfen oder von anderen angetan wird, sollte uns von diesen Grundsätzen abweichen lassen.

Es gibt in Deutschland viele Möglichkeiten, einem Übergriff ohne Hass und Angst zu begegnen und ihn dennoch nicht zu ignorieren. Man kann darüber mit anderen sprechen, darüber schreiben, andere motivieren, gemeinsam dagegen vorzugehen, sich politischen oder gesellschaftlichen Gruppen anschließen, die sich gegen Diskriminierung einsetzen. Ein einfacher und effektiver Weg ist, staatliche Unterstützung zu suchen, indem man eine Diskriminierung bei der Antidiskriminierungsstelle meldet (aktuelle Befragung unter: www.umfrage-diskriminierung.de) oder in schwerwiegenderen Fällen eine Strafanzeige stellt. Diese Möglichkeiten sollten wir nutzen, wenn wir als mündige Bürger agieren und die geltende Rechtsordnung erhalten wollen.

 

Gleichzeitig sollten wir uns davor hüten, die einseitige Sicht auf die Welt, die uns in diesen Tagen oft begegnet, selbst zu übernehmen. Genauso wenig, wie alle Muslime Terroristen sind, sind alle Deutschen Faschisten. Es ist nur eine kleine Minderheit, für die ein Terrorakt nichts weiter als ein willkommener Vorwand für das Ausleben des eigenen Rassismus' ist.

Dieser kleinen Gruppe sollte man mit aller durch die freiheitlich-demokratische Grundordnung legitimierten Härte begegnen. Politik und Medien sollten sich ihrer Verantwortung bewusst sein, damit diese Gruppen nicht so viel Aufmerksamkeit erhalten, dass sie letztendlich den gesellschaftlichen Diskurs bestimmen und dadurch den Zusammenhalt derer, die Frieden und Freiheit für alle Bürger dieses Staates wollen, zerstören.

Vielleicht halten es einige für schwach, an Vernunft statt an Vergeltung zu glauben, aber es ist mit Sicherheit der einzige Weg zu einem dauerhaften Frieden.

 

Wesseling, den 19. November 2015

 

Die Vorstandsfrauen des Aktionsbündnisses muslimischer Frauen in Deutschland.

 

 

hier als PDF verfügbar

 

Am Wochenende des 5./6. Dezember läd das Aktionsbündnis zu einer Tagung zum Thema "Diskriminierung und Bildungsdefizite als Nährboden von Abgrenzung und Radikalisierung - Herausforderungen und Handlungsstrategien unter Berücksichtigung der aktuellen Flüchtlingsdiskussion" ein.

Nähere Informationen zur Tagung entnehmen Sie bitte folgender Einladung.

Die verbindliche Anmeldung sollte bis zum 20.11.2015 per Mail an info@www.muslimische-frauen.de erfolgen.
Folgende Angaben werden benötigt:

Vor- und Nachname:
E-Mailadresse:

Kreuzen Sie bitte an:
( ) Ich nehme an beiden Tagen der Tagung teil
Ich nehme nur an einem Tag der Tagung teil, nämlich am
( ) 5. Dezember
( ) 6. Dezember

( ) Ich bitte um die Bestellung eines Abendessens am 5. Dezember (die Kosten von
6.- Euro müssen selbst getragen werden)

Wir freuen uns auf eine rege Teilnahme.

Die aktuelle Zeitschrift des Deutschen Frauenrates (bei dem das AmF Mitglied ist) befasst sich aus mehreren Pespektiven ausführlich mit dem Thema Kopftuch. Mit dabei ein ausführliches und sehr interessantes Interview mit unserem agilen Mitglied Seren Basogul ("Ich breche gern Erwartungshaltungen") sowie die Pro-Position bzgl. des Bundesverfassungsgerichtsbeschlusses zum Kopftuchverbot von Gabriele Boos-Niazy.

Das Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes NRW hat
sich in einer Broschüre der Vielfalt des organisierten Islam gewidmet.
In diesem Rahmen konnte sich auch das Aktionsbündnis mit seinem
Betätigungsfeld ausführlich vorstellen (Seite 36). Die Broschüre kann
heruntergeladen werden unter:
https://broschueren.nordrheinwestfalendirekt.de/broschuerenservice/mais/die-vielfalt-des-organisierten-islam-in-nordrhein-westfalen/1975

von Gabriele Boos-Niazy

Auch in diesem Jahr erhielt das Aktionsbündnis muslimischer Frauen zahlreiche Einladungen zum Iftar, aber die Einladung der Staatsministerin Aydan Özoğuz für den 30. Juni in Berlin hat uns besonders gefreut, zeigt sie doch, dass die Arbeit des Aktionsbündnisses auch in der Politik wahrgenommen wird. Veranstaltungsort war die Villa Borsig, das Gästehaus des Auswärtigen Amtes, malerisch direkt am Tegeler See gelegen.
Zunächst trafen sich alle Gäste auf der Terrasse – Zeit, um miteinander zu reden oder auch einfach nur den Ausblick zu genießen. Nachdem die Kanzlerin eingetroffen und alle reihum begrüßt hatte, wurde Aufstellung zum obligatorischen Gruppenfoto genommen.

g1

Zum Auftakt der Veranstaltung kamen wir in den Genuss klassischer Musik – ein Klarinettenquintett von Mozart, virtuos gespielt von Musikern des West-Eastern Divan Orchestra.
Die Staatsministerin begrüßte die Gäste, und man konnte ihr die Freude über die von ihr initiierte Einladung deutlich anmerken. Auch wenn es – wie zu erwarten – sowohl auf muslimischer als auch auf nicht-muslimischer Seite einen deutlichen Männerüberschuss bei den Gästen gab, hielt sich bei den Rednern die Verteilung der Geschlechter die Waage. Nicht zuletzt deshalb, weil Nurhan Soykan in ihrer derzeitigen Funktion als Sprecherin des KRM ein Grußwort sprach (nachzulesen hier ).
Weitere Grußworte sprachen der Landesbischof Bedford-Strohm (Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland), Alois Glück (Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken) sowie Josef Schuster (Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland). Schuster wies in seiner Rede auf zwei Strömungen in der Gesellschaft hin: Einerseits gebe es immer mehr Menschen, die die Einwanderung als Bereicherung sähen, andererseits mache sich aber auch vielerorts eine fremdenfeindliche, islamophobe und antisemitische Stimmung breit, die mehr als besorgniserregend sei.

Die Festrede hielt die Kanzlerin. Der Schwerpunkt lag auf dem, was die unterschiedlichen Religionen verbindet, auf dem Abbau gegenseitiger Vorbehalte durch intensive Kontakte, dem Aufruf, sich nicht spalten zu lassen und gemeinsam gegen Diskriminierung von Gläubigen oder Nicht-Gläubigen die Stimme zu erheben. Die Kanzlerin erneuerte ein Anliegen, das sie nach den Anschlägen in Paris an die Muslime gerichtet hatte (und das anscheinend noch niemand zu ihrer Zufriedenheit beantwortet hat): Angesichts der terroristischen Anschläge in Frankreich, Tunesien und Kuwait fragten sich viele Menschen, warum die Täter Menschenleben gering schätzten und als Tatmotiv ihre Religion nennen würden. Die Menschen „[...] haben Mühe, dem Satz zu folgen, dass Mörder, die sich für ihre Taten auf den Islam berufen, nichts mit dem Islam zu tun haben sollen.“ Sie wünsche sich nach wie vor eine Klärung dieser Fragen „[...] durch die Geistlichkeit des Islam [...].“ Dieser Klärung könne nicht mehr ausgewichen werden, weil ansonsten Kräfte gestärkt würden, die Muslime unter Generalverdacht stellten. Die Kanzlerin: „Ich erwidere ausdrücklich: Jede Ausgrenzung von Muslimen in Deutschland, jeder Generalverdacht gegen sie verbietet sich. Wir vergessen im Übrigen auch nicht, dass die allermeisten Opfer der weltweiten Terroranschläge Muslime sind.“

Ein kurzes Video zur Veranstaltung mit Redeausschnitt findet sich hier

Die komplette Rede der Kanzlerin ist hier nachzulesen.

Nach den Festreden erfolgte eine kurze Quranrezitation (Al Fatiha und Vers 20-22 aus Sura 30) und der Gebetsruf durch den Vorsitzenden des forums muslimischer stipendiatinnen & stipendiaten, Zakariya Ali. Im Anschluss wurde gemeinsam gegessen und in lockerer Atmosphäre geplaudert.

Bei der Verabschiedung ließ sich dann noch das eine oder andere schöne Motiv finden....

Impressionen vom Iftar mit der Staatsministerin Özoğuz und der Bundeskanzlerin

Von links nach rechts: Yasemin Shooman (Leiterin der Akademieprogramme des Jüdischen Museums Berlin), Gabriele Boos-Niazy (Vorstand AmF), Nurhan Soykan (Generalsekretärin ZMD, amtierende KRM-Vorsitzende), Staatsministerin Aydan Özoğuz, Hatice Durmaz (Präsidentin RAMSA), Naika Foroutan (Humboldt-Universität zu Berlin).

Auch wenn aufgrund des engen Programms (leider) kein sehr tiefer Austausch zwischen allen Gästen zustande kommen konnte, hat die Veranstaltung aus meiner Sicht ihr Ziel erfüllt: ich habe sie als ein deutliches Zeichen an die Muslime und die Mehrheitsgesellschaft empfunden, dass der Islam nicht länger schwerpunktmäßig unter dem Aspekt der „Migranten-Religion“ und als potentielles Sicherheitsrisiko gesehen wird, sondern als Religion, der (endlich) ein Platz innerhalb des vielfältigen Spektrums an Glaubens- und Weltanschauungsgemeinschaften in Deutschland eingeräumt wird. Bis diese Sichtweise bei allen Bevölkerungsschichten (und auch einigen Politikern) angekommen ist, wird es noch eine Weile dauern, aber diese Erfahrung teilen wir mit anderen Minderheiten.

Da es sich bei dem Empfang ausdrücklich um eine nicht-religiöse Veranstaltung handelte, fände ich es begrüßenswert, wenn bei einem erneuten Iftar auch Vertreter atheistischer Gruppen dabei wären, denn auch sie sind Teil des Spektrums an Weltanschauungen in Deutschland.

Am Montag dieser Woche hatten wir die Gelegenheit, mit der Schulministerin Frau Löhrmann über die Situation nach dem BVerfG-Beschluss zu sprechen und am Mittwoch folgten wir einer Einladung der bildungspolitischen Sprecherin der Fraktion der Grünen Sigrid Beer sowie Ali Bas (Sprecher für berufliche Bildung und interreligiösen Dialog sowie Sprecher Arbeitskreis Grüne MuslimInnen).
Diese Gespräche verliefen in freundlicher und konstruktiver Atmosphäre. Wir legten unsere Vorstellungen hinsichtlich der im Schulgesetz notwendigen Änderungen (Ergänzungen und Streichungen) dar. Zusätzlich schlugen wir Maßnahmen vor, die sicherstellen sollen, dass Kopftuch tragende Frauen nunmehr ungehinderten Zugang zum Schuldienst erhalten und potentielle Konfliktsituationen von vornherein vermieden werden können. Dies soll sicherstellen, dass diejenigen, die zwischenzeitlich aus dem Schuldienst unfreiwillig ausgeschieden waren, wieder einsteigen können und die ausgebildeten Referendarinnen ihr Berufsleben beginnen können. Wir sind nach den Gesprächen zuversichtlich, dass das mit der Unterstützung der Schulministerin sowie Frau Beer und Herrn Bas gelingen wird.

Nach dem Beschluss des Bundesverfassungsgerichts ist das Kopftuchverbot faktisch aufgehoben, nun geht es an die Umsetzung des Beschlusses und die wird durchaus kontrovers diskutiert. Zum Thema "Mehr Pluralität an Bremer Schulen - wie kann das gelingen?" diskutierten a m 30.4. in Bremen auf Einladung und unter der Moderation der Landesvorstandssprecherin Bündnis 90/Die Grünen, Dr. Henrike Müller, die Migrationspolitische Sprecherin der Grünen, Zahra Mohammadzadeh, Vildan Aytekin vom Netzwerk muslimischer Lehrerinnen und Lehrer (NeLe) und Gabriele Boos-Niazy, die Vorsitzende des Aktionsbündnisses muslimischer Frauen e.V. (AmF).

Ist eine Änderung des bisherigen Gesetzestexts unerlässlich oder reicht es – weil das Wort Kopftuch im Gesetzestext nicht vorkommt – die Erläuterungen zum Schulgesetz zu ändern? Wie kann man die veränderte Rechtslage wirksam in die Köpfe aller Beteiligten bringen, damit der Beschluss tatsächlich wirksam wird? Wann ist der Schulfrieden tatsächlich gestört und damit eine Grundrechtseinschränkung einer Lehrerin mit Kopftuch rechtlich möglich? Wie ist Vielfalt und staatliche Neutralität im schulischen Rahmen überhaupt zu verstehen? Diese Fragen wurden in kleiner, entspannter Runde und einem durch und durch angenehmen Gesprächsklima debattiert – beim strittigen Thema „Kopftuch“ ist das nicht an der Tagesordnung.

Alle waren sich einig, dass die Umsetzung des Beschlusses ein schwieriges Unterfangen ist, weil das Thema Kopftuch mehr als andere Themen nicht entlang parteipolitischer Grenzen sondern auch innerhalb aller Parteien sehr kontrovers diskutiert wird. Das macht es mühsam, notwendige Mehrheiten zu finden, die für eine Änderung des Gesetzestextes notwendig sind. Darüber, welche Gründe diese Polarisierung hat und welche Lösungsmöglichkeiten denkbar sind, wurde ebenso gesprochen wie auch über die Vor- und Nachteile einer breiten gesellschaftlichen Diskussion, immer auch im Hinblick darauf, welche Auswirkungen das für die Betroffenen haben kann. Einig war man sich darin, dass es seitens des Schulministeriums ein deutliches Zeichen – am besten in schriftlicher Form – in die Strukturen hinein geben muss, damit der Beschluss des Bundesverfassungsgerichts auch tatsächlich praktische Wirkung entfalten kann. Gleichzeitig – auch darin herrschte Übereinstimmung – muss dafür Sorge getragen werden, dass die Entscheidung darüber, wie die Umsetzung des Beschlusses praktisch aussehen muss, nicht den Schulen aufgebürdet wird. Deshalb müssen für die Erläuterungen zum Gesetz klare Formulierungen erarbeitet werden, die am Schulalltag orientiert sind und allen Beteiligten Rechtssicherheit geben. Da es bereits Regelungen gibt, wie im Falle von Elternbeschwerden über LehrerInnen zu verfahren ist, dürfte das keine allzu schwierige Aufgabe sein, da die Kopftuch tragenden Lehrerinnen nach den gleichen Kriterien behandelt werden müssen. Anders sieht es aus, wenn das Grundrecht der Lehrerin auf Glaubensfreiheit eingeschränkt werden soll – das ist bisher im Schulgesetz nicht vorgesehen und es fehlen entsprechend ausgearbeitete Erläuterungen. Um Klagen zu vermeiden, sollte eine Formulierung sich so dicht wie möglich an den Vorgaben des Bundesverfassungsbeschlusses orientieren und dort genannte Beispiele aufgreifen.

Die Diskussionsteilnehmerinnen zogen das Fazit, dass durch die neue Rechtslage die Umsetzung der Gleichstellung muslimischer, Kopftuch tragender Frauen vorangetrieben wird und die Vielfalt der Gesellschaft sich in der Schule zukünftig besser spiegeln kann, als das bisher der Fall ist.