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Presseerklärung 25.11.09 – Internationaler Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen

Gewalt gegen Frauen hat viele Facetten – von verbalen Angriffen bis hin zu brutalen physischen Attacken, von Psychoterror bis zur offenen Gewalt. Viele dieser Marginalisierungen und Diskriminierungen werden häufig öffentlich kaum sichtbar, so z.B. verweigerter Zugang zu Bildung, politisch initiierte Berufsverbote und die Erschwerung oder gar Verhinderung gesellschaftlicher Teilhabe.
Das neu gegründete Aktionsbündnis muslimischer Frauen in Deutschland spricht sich gegen alle Formen der Gewalt gegenüber Frauen aus.
Als Vereinigung muslimischer Frauen sehen wir eine unserer Aufgaben darin, das nicht nur auf dem säkularen Humanismus basierende Verbot von Gewalt gegen Mitmenschen zu vertreten, sondern auch das von den Religionen bekräftigte Gebot der Geschlechtergerechtigkeit und der strikten Ablehnung von Gewalt gegen Frauen und Kinder wieder stärker in das Bewusstsein der Gesellschaft zu rücken. Die Ressourcen, die die Religionen in diesem Bereich bieten, müssen zum Wohl und zur Unterstützung aller Frauen genutzt werden.

Wir sollten uns nicht scheuen, die Vielfalt der Zugänge – und Religion ist einer davon – zu den unterschiedlichen Menschen auch in ihrer ganzen Bandbreite zu nutzen; hier darf es keine Tabus geben.
Dabei tragen einerseits diejenigen Verantwortung, die als Mitglieder einer religiösen Gemeinschaft religiöse Begriffe mit Inhalt füllen, andererseits aber auch diejenigen, die – aus welchen Beweggründen auch immer – eine religiöse Lebensweise anderer als potentiell gefährlich stigmatisieren. So hat beispielsweise die Diskreditierung des Kopftuches als Zeichen „gegen die Menschenwürde, die Gleichberechtigung nach Artikel 3 des Grundgesetzes, die Freiheitsgrundrechte oder die freiheitlich-demokratische Grundordnung“ (Schulgesetz NRW) dazu beigetragen, dass muslimische Frauen mit und selbst ohne Kopftuch in der Öffentlichkeit vermehrt Angriffen verschiedenster Art ausgesetzt sind.
Um die Situation aller Frauen nachhaltig zu verbessern appellieren wir an alle gesellschaftlichen und religiösen Gruppen, nicht gegeneinander, sondern miteinander zu agieren und damit eine positive Entwicklung in Gang zu setzen.

Der Vorstand

Köln, 24.11.2009