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Presseerklärung des Aktionsbündnisses muslimischer Frauen e.V. zum 100. Internationalen Frauentag am 8.März 2011

Seit nunmehr einhundert Jahren bietet der von einer deutschen Demokratin initiierte Internationale Frauentag jährlich Anlass nnezuhalten, zurückzublicken und auf bestehende Probleme hinzuweisen.

Respekt für die Kreativität und den Freiheitswillen von Frauen in Nordafrika
Unsere Anerkennung und unser Respekt gilt den Frauen verschiedenster Religionen, die sich in Tunesien, Ägypten und vielen anderen Ländern, in Gefahr für ihr Leben und ihre Unversehrtheit begeben. Sie demonstrieren mit, versorgen Verwundete und unterstützen die Bewegungen für Selbstbestimmung, Meinungsfreiheit und gegen korrupte Systeme auf kreative Weise auch dort, wo sie nicht auf die Straße gehen. An erster Stelle hoffen wir auf ein baldmögliches Ende der blutigen Kämpfe in Libyen und darauf, dass Menschen überall auf der Welt ihre Unzufriedenheit mit Ungleichbehandlung und der Zukunftslosigkeit heranwachsender Generationen äußern und an der Verbesserung ihrer Lebensbedingungen entscheidend mitwirken können. Wir wünschen den Frauen in Nordafrika besonders, dass ihre Stimmen auch während der Regierungsneubildungen und der Weichenstellung für die Zukunft ihrer Länder gehört werden und sich ihr Engagement in einer angemessenen
Ämterbeteiligung niederschlägt.

In Deutschland finden wir muslimischen Frauen uns immer wieder als Betroffene in Islamdebatten wieder. Doch nur selten werden wir gefragt, wird das Gespräch mit uns gesucht, wird uns Unterstützung dafür angeboten, unsere Lage selbst zu verbessern. Deshalb hat sich das Aktionsbündnis muslimischer Frauen im Herbst 2009 gegründet, um gemeinsam Probleme in der deutschen Gesellschaft und in den eigenen Gemeinschaften anzupacken. Viele Musliminnen im Land scheinen auf eine solche Möglichkeit, direkt in den gesellschaftspolitischen Debatten vertreten zu sein gewartet zu haben; innerhalb von 11 Monaten wurden über 300 Frauen Mitglied in unserem Bündnis. Darüber hinaus fand unsere Initiative vor allem in der Frauenbewegung Widerhall. Im November 2010 wurde das AmF in den Deutschen Frauenrat aufgenommen.

Betroffene Frauen müssen erfahren, dass ihnen geholfen wird!

Das AmF begrüßt die Bemühungen der Bundesregierung zur Stärkung der Rechte von Betroffenen von Zwangsverheiratung. Wichtigstes Ziel sollte dabei sein, bundesweit betroffenen Frauen über ihre Rechte und Möglichkeiten aufzuklären und sensibel zu beraten. Beratungs- und Schutzangebote müssen aufgebaut werden, die Frauen direkt und wirksam erreichen. Derzeit vorgesehene Erhöhungen der hebestandszeit laufen Gefahr, dafür zu sorgen, dass Frauen aus Angst vor Abschiebung in lebensbedrohlichen und unwürdigen Situationen ausharren. Abgesehen davon unterstützt das AmF die Stärkung der Rückkehrrechte von Betroffenen.

Islamdebatten des vergangenen Jahres waren eine Herausforderung

Der Blick in deutsche Medien brachte im vergangenen Jahr wieder täglich neue Herausforderungen. In dem häufig gezeichneten Bild von gewalttätigen, muslimischen Transfergeldempfängern konnten wir weder uns noch unsere männlichen Familienmitglieder wiedererkennen. Sehr wohl erkennen wir uns hingegen wieder in dem von der Bundesjustizministerin geäußerten Bekenntnis zu Religionsfreiheit und Gleichheit der Religionen auch im Bezug auf die Ausübung, zu Gleichbehandlung und gleichen Rechte als Frauen. Dazu gehören unserer Auffassung nach Zugangschancen zu Bildung und zum Arbeitsmarkt, Schutz vor Gewalt ob in der Öffentlichkeit oder im eigenen Familienkreis.

Das AmF begrüßt, unterstützt und ist bereit zur Mitarbeit bei all jenen Initiativen, die sich der Stärkung der im Grundgesetz verbürgten Rechte auf Menschenwürde, körperliche Unversehrtheit, Religions- und Meinungsfreiheit sowie des gesundheitlichen, wirtschaftlichen und geistigen Wohlbefindens von Frauen widmen, insbesondere muslimischer Frauen, denn hier liegt unsere größte Kompetenz.

Freiheit aller Religionen und Weltanschauungen ermöglichen, willkürliche
Ausgrenzungen verhindern! Wir setzen uns ein.

Wesseling, 08.03.2011

Aktionsbündnis muslimischer Frauen e. V.
www.muslimische-frauen.de
E-Mail: info@www.muslimische-frauen.de

PDF-Version der Pressemitteilung zum download hier.

Anlässlich des Weltfrauentags fordert das Aktionsbündnis muslimischer Frauen in Deutschland e.V. alle gesellschaftlichen Gruppen zu größerer Toleranz und Akzeptanz, die Politik zu größerer Sensibilität und die Frauen zu größerer Solidarität untereinander auf.

Die im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland verankerte Gleichstellung der Geschlechter ist in vielen Bereichen noch längst nicht erreicht. Davon kündet nicht nur die bestehende Einkommenskluft von ca. 23 % zwischen Frauen und Männern, sondern auch die Tatsache, dass Frauen aller Altersgruppen überproportional von Sozialleistungen des Staates abhängig sind und nach wie vor die Hauptlast der Kindererziehung und der Haushaltsführung tragen, selbst wenn sie Vollzeit berufstätig sind.

Die von vielen Vorurteilen bisher weitgehend verhinderte Chancengleichheit muslimischer Frauen mit Kopftuch auf dem Arbeitsmarkt wird von vielen gesellschaftlichen und politischen Akteuren zwar gesehen, es werden leider jedoch keine adäquaten Konsequenzen gezogen. Im Gegenteil. Die vom Innenminister kürzlich gemachte Äußerung, die Erlaubnis zum Tragen eines Kopftuches in seiner Behörde von der Motivation seiner Trägerin abhängig zu machen (wer soll diese prüfen?) und ein grundgesetzlich geschütztes Recht als möglicherweise ungebührliches Verhalten zu definieren (auch hier wieder die Frage: wer trifft diese Entscheidung?) zeigt, dass die Leitlinien des so genannten Kopftuchurteils des Bundesverfassungsgerichts von 2003 immer noch nicht in das Bewusstsein Verantwortung tragender Kreise eingedrungen sind.

Aber auch wir Frauen sollten bestrebt sein die bestehenden Probleme ergebnisorientiert zu lösen. Dazu brauchen wir die Bündelung unserer Kräfte. Wir müssen näher zusammenrücken und uns gegenseitig unterstützen. Hierbei spielt es keine Rolle ob es sich um religiöse oder areligiöse, um arme oder reiche, weiße oder schwarze, eingewanderte oder einheimische Frauen handelt.

Das Aktionsbündnis muslimischer Frauen setzt sich zwar insbesondere für die Belange der muslimischen Frauen ein, die oft Mehrfachdiskriminierungen ausgesetzt sind, solidarisiert sich aber auch mit allen Frauen und Frauenorganisationen, die sich gegen Ausbeutung und Diskriminierung sowie gegen Gewalt an Frauen einsetzten.